In Großbritannien explodiert die Jazz-Szene

Eine neue Generation enthusiastischer, innovativer und selbstbewusster Musiker kollaboriert in Großbritannien und macht den Jazz so populär wie schon lange nicht mehr. Sie machen das Genre für ein ganz neues Publikum zugänglich, indem sie den Jazz zum Beispiel mit Hip-Hop oder Neo-Soul kombinieren, was ihn gleich viel vertrauter und angenehmer für das Ohr macht.

Schon 2015 brachte Kendrick Lamar sein bahnbrechendes Album “To pimp a butterfly” heraus, in dem er den Jazz ganz liberal mit dem Hip-Hop vermischte und ihn somit für eine neue Generation zugänglich machte. Thundercat und Kamasi Washington folgten seinem Beispiel auf ihre eigene Art und wurden damit höchst erfolgreich.

Dies waren die Anfänge einer neuen und aufregenden Jazz-Bewegung in Großbritannien, die aus frischem Experimentalismus geboren wurde. Die Musiker sind im Gegensatz zu früheren Musikwellen überwiegend zwischen 25 bis 35 Jahre alt, kommen aus unterschiedlichen Verhältnissen und Milieus und haben außerhalb des Mainstreams ihre eigene Künstlergruppe geschaffen. Ihre Musik bewegt sich freizügig zwischen Genres und man hört sie vorwiegend in Nachtclubs und bei Festival-Auftritten. Britische DJs wie Floating Points und Bradley Zero haben den Jazz auch auf der Tanzfläche höchst beliebt gemacht.

Es ist noch nicht lange her, da war Jazz überhaupt nicht cool und die Fans waren meist weiße Intellektuelle sowie bürgerliche und ältere Menschen. Neue Jazz-Musiker wie der Schlagzeuger Moses Boyd, die Sängerin Yazmin Lacey, der Trompeter und Produzent Matthew Halsall, Soweto Kinch, der Tuba-Spieler Theon Cross, Gilles Peterson, die Trompeterin Sheila Maurice-Gray, die Saxophonistin Nubya Garcia, der Pianist Ashley Henry, Sängerin Zara McFarlane und der Bandleader, Klarinettist und Saxophonist Shabaka Hutchings haben alle dazu beigetragen, den Jazz wieder unter die jungen Leute zu bringen. Ihnen folgen täglich viele mehr. Die neue Jazz-Welle ist aus dem Nichts entstanden, doch ist sie ausgesprochen produktiv und bringt ihren Sound auch ins Ausland. Es sieht so aus, als ob sie nicht nur eine Welle bleibt, sondern sich für längere Zeit in der Musikgeschichte etablieren wird.