Der Jazz, wie wir ihn heute kennen, wurde Musikhistorikern zufolge vor über 200 Jahren in den Südstaaten Nordamerikas geboren. New Orleans wird als der Geburtsort des Jazz angesehen, da dort etwa 1902 die ersten Jazzbands auftraten. Es hat allerdings schon vorher in anderen Staaten Nordamerikas jazzartige Musik gegeben, obwohl diese noch nicht Jazz genannt wurde.

So gab es zum Beispiel Mitte des 19. Jahrhunderts in den Südstaaten eine Straßenmusik-Tradition, die aus meist afro-amerikanischen Brassbands oder Marching Bands bestand. Diese waren stark vom Blues und von kreolischer Musik beeinflusst. Heute wird die Musik dieser Marching Bands “Archaischer Jazz” genannt. Hieraus ist der heutige Old-Time-Jazz hervorgegangen, der aber außerhalb von New Orleans meist von weißen Musikern gespielt wird.

Die Wurzeln des Jazz liegen jedenfalls in der Musik, die von den Sklaven aus Afrika mitgebracht wurde, deren Arbeitsgesänge, Gospels und Spirituals sich mit der europäischen Musik vermischten, die die Afro-Amerikaner damals zu hören bekamen.

Der Ragtime und der Blues werden als Väter des Jazz angesehen.

1890 – Der Ragtime

Der Ragtime entwickelte sich aus dem Jig, einem lebhaften Volkstanz aus Großbritannien, und der von den afro-amerikanischen Bands gespielten Marschmusik. Das Wort kommt vom englischen “ragged time”, bedeutet also “zerrissene Zeit”. Der Name bezieht sich auf den besonderen rhythmischen Effekt, der durch das versetzte Spielen der Melodie (auf dem Klavier mit der rechten Hand) mit dem stetigen Rhythmus (gespielt mit der linken Hand) erreicht wird. Anfangs waren die Namen Rag und Jig noch austauschbar. Der Ragtime wird hauptsächlich auf dem Klavier gespielt, manchmal aber auch auf dem Banjo oder von Brass Bands. Der Hauptkomponist dieses Stils war Scott Joplin.

1900 – Der Blues

Der Blues entwickelte sich um die Jahrhundertwende aus einfachen Liedern, die die afro-amerikanischen Sklaven bei der Feldarbeit sangen, und enthält Elemente aus afrikanischer, karibischer und europäischer Musik. Er war anfangs keine eigenständige Musikrichtung, sondern Teil der Unterhaltungsmusik der damaligen Zeit. Als eigenständiger Stil wurde der Blues um 1910 von Bessie Smith und Alberta Hunter bekannt gemacht.